Freitag, 31. August 2018

20 Dinge die ich auf Radtour gelernt habe

-die richtige Radbrille kann Nackenschmerzen verhindern
Fährt man in einer vorgebeugten Sitzposition und der obere Brillenrand liegt im Sichtfeld, muss man den Kopf stärker in den Nacken legen. Schließt die Brille höher ab und/ oder hat keinen oberen Rand ist das nicht nötig und der Nacken verspannt auch bei sportlich vorgebeugter Fahrweise weniger

-Ein klassisches, buntes Baumwolltaschentuch/ Halstuch trocknet im Fahrtwind schneller als ein vergleichbar großes Funktionshandtuch aus Kunstfaser.
Und es taugt natürlich nicht nur als minimalistisches Handtuch, sondern auch als kleine Picknickdecke, mit Wasser getränkt als Kühlverband, als Schweißtuch, als Staubtuch im Cowboystyle, als Lappen um das Zelt trocken zu wischen, als Aufbewahrungrolle für Taschenmesser und Löffel, und... und... und...

-Auch bei über 30 Grad lohnt es sich die warme Kunstfaserjacke auszupacken.
Selbst wenn entgegenkommende, bergauffahrende Radler mit freiem Oberkörper unterwegs sind, kann es für den bergabfahrenden Radfahrer durch den Fahrtwind empfindlich kalt werden. Grade bei sehr langen und schnellen Abfahrten, können Armlinge und Windjacke manchmal schon knapp bemessen sein.

-auch bei heißem Wetter lohnt es sich ein Unterhemd unter dem Trikot zu tragen
Vor allem wenn es ein Unterhemd aus Naturfaser und Netzstruktur ist. Ist das Trikot z.B. gegen den Fahrtwind oder die Morgenkälte geschlossen bildet das Unterhemd eine wärmende Luftschicht. Ist das Trikot geöffnet kann der Wind durch die Netzstruktur des Unterhemdes ungehindert durchwehen und man hat durch die Feuchtigkeit in der Naturfaser eine super Kühlung. Und dank der Naturfaser stinkt das Hemd nicht so schnell und auch das Trikot aus Kunstfaser bleibt länger frisch.

-eine Radhose reicht
Man stirbt nicht gleich wenn man die selbe Radhose zwei Tage hintereinander trägt. Und wenn man die Hose oder zumindest das Sitzpolster abends wäscht, ist sie in aller Regel am nächsten Tag auch wieder trocken.

-Radhandschuhe können Reifendefekte verhindern
Radhandschuhe können je nach Modell nicht nur empfindliche Bereiche der Hand polstern oder Verletzungen beim Sturz reduzieren. Fährt man durch Split kann man diesen auch während der Fahrt mit einem beherzten Griff auf den Reifen wieder abstreifen.

-man braucht keinen Schlafsack
Es reicht auch warme Kleidung, wie eine dicke Jacke, auch wenn es sich zunächst ungewohnt anfühlt wenn man sich nicht zudecken kann.

-Socken beim Schlafen sind sexy
Ok, das mag jeder für sich selbst entscheiden. Was aber auf jeden Fall zutrifft ist das sie den Füßen helfen sich nachts zu erholen. Es sollten logischerweise nicht die durchgeschwitzten, regennnassen Socken vom Tag sein sondern ein extra Paar "Schlafsocken". Dafür sollten die Socken nicht zu eng sitzen und möglichst aus Naturfasern sein. Die strapazierte Haut kann so besser regenerieren. Die Füße kann man zusätzlich vorher noch eincremen und die Socken verhindern, dass man den Schlafsack (wenn man denn einen nutzt) damit einsaut. Das gilt gleichermaßen für Radfahrer wie Wanderer.

-Man braucht auf Tour nicht unbedingt eine Kochausstattung.
Insbesondere wenn man regelmäßig Nachschubmöglichkeiten hat kann man auf Trockennahrung und Kochen und damit auf eine umfangreiche Küchenausstattung verzichten. Das spart nicht nur Gewicht, es spart vor allem Platz im Gepäck. Und Möhren, Dosenbohnen, Linsen, Brot, Obst, Riegel, Couscous, Kekse, etc. bringen einen auch über die Alpen.

-Instantkaffee taugt nicht nur als heißer Kaffee
Man kann ihn natürlich auch ganz simpel kalt aufschütten. Oder man nutzt ihn um seinen frisch gekauften Joghurt oder Pudding zu pimpen, streut ihn in sein Müsli oder in den Obstsalat, rührt sich mit etwas Wasser einen Brotaufstrich zurecht oder..., oder...., oder...

-Piniennadeln sind super um Dreck aus der Fahrradkette zu popeln
Oft genug finden sich vor Ort Dinge die man zweckentfremden kann. Der Stein um den Zelthering in den Boden zu drücken ist dabei wohl der Klassiker.

-Pflege Dich und dein Rad
Es geht hier gar nicht mal ums gut aussehen oder weniger riechen. Aber grade wenn man den ganzen Tag im Sattel sitzt, sollte man sich in dem Bereich darum kümmern, dass das Salz vom Schwitzen einen nicht wundreibt. Führ das Rad gilt das Selbe. Wenn man sich auch auf Tour regelmäßig darum kümmert, dass die Reifen frei von Split sind, die Kette und der Antrieb frei von altem Dreck, die Bremsen staubfrei sind und alle Schrauben auf festen Sitz kontrolliert, vermeidet man erhöhten Verschleiß und den ein oder anderen unnötigen Defekt.

-mit Klettbändern kann man zaubern
Bindet man eins um den Bremsgriff kann man das Rad selbst im Hang parken ohne das es wegrollt. Man kann damit Sachen am Rad verstauen wo es sonst keine Möglichkeit für gibt. Etwa ein Ersatzschlauch plus Reifenheber auf dem Oberrohr. Und man kann damit natürlich auch einfach Sachen beim Trocken, egal ob auf dem Rad oder der Wäscheleine, am Wegfliegen hindern.

-Packbeutel aus Netz sind eine gute Alternative zu wasserdichten Packbeuteln.
Das gilt insbesondere wenn man die Ausrüstung sowieso in komplett wasserdichten Taschen verstaut. Beim Packen muss man keine Luft aus den Beuteln drücken. Sind die Sachen im Beutel noch feucht, kann man den Beutel einfach außen transportieren und die Sachen können weiter trocknen. Insbesondere Kleinteile wie Socken, Handtuch oder Zahnbürste kann man so auch während der Fahrt außen zum Lüften ans Rad schnallen ohne das man befürchten muss, dass sie wegfliegen. Der Inhalt der Beutel fängt auch nicht mit der Zeit an muffig zu riechen. Ein großer Netzbeutel mit Schlaufen an beiden Enden kann unterwegs auch mal quer vor den Lenker gebunden werden um den letzten Einkauf zu verstauen und ist auch während der Fahrt recht gut zu erreichen.

-Auf dem Rad ist Volumen wichtiger als Gewicht
Natürlich macht es einen Unterschied wie schwer beladen ein Fahrrad ist, insbesondere wenn man Berge hochfährt. Aber leicht schwerere Ausrüstungsteile, die sich aber kompakter verstauen lassen haben grade auf dem Rad ihre Vorteile. Eine komprimierbare Isomatte ist z.B. schwerer aber im Packmaß kleiner als eine aus Schaumstoff. Wenn man das bei seiner gesamten Ausrüstung berücksichtigt, reichen kleinere und/ oder weniger Taschen am Rad. Dadurch wird das Rad windschnittiger und die Fahreigenschaften verbessert.

-Aerodynamik ist auch für Radtouren wichtig
Ich geh sogar soweit zu behaupten, dass Aerodynamik teils wichtiger ist wie Gewicht. Dabei ist neben dem Rad selbst, das oft den geringsten Effekt auf die Windschnittigkeit hat, neben der Anordnung des Gepäcks vor allem auch der Fahrer selbst zu berücksichtigen. Moderne Bikepackingtaschen sind in der Regel schon recht windschnittig positioniert. Wobei eine Frontrolle am Lenker etwas mehr bremst, eine längliche Satteltasche nach Untersuchungen im Windtunnel dagegen sogar einen positiven Effekt auf die Aerodynamik haben kann, wenn sie wie ein Spoiler wirkt. Gut 2/3 des Windwiderstandes sind aber auf den Fahrer selbst zurückzuführen. Wenn ich also Strecke machen möchte oder grundsätzlich eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit fahren will, ist enge Bekleidung vorteilhaft. Auch die Sitzposition hat natürlich Einfluss. Am deutlichsten wird das natürlich bei Gegenwind. Aber auch bei Abfahrten und gerader Strecke vergeudet man unnötig Energie wenn das gesamte Gefährt und man selbst als riesiger Windfang unterwegs ist.

-schmalere Reifen sind nicht unbedingt schneller
Grade auf Tour ist es unterm Strich wichtiger mehr Zeit im Sattel zu verbringen, als kurzfristig Höchstgeschwindigkeiten zu fahren. Fahre ich beispielsweise 6 Stunden mit 25 km/h schaffe ich am Tag 150 km. Kann ich aber zwei Stunden länger bequem im Sattel sitzen komme ich selbst bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von nur 20 km/h ganze 160km weit. Das heißt, über mehrere Tage verteilt erreiche ich mein Ziel so früher. Ein etwas breiterer Reifen bietet durch die bessere Dämpfung und die Möglichkeit ihn mit weniger Luftdruck zu fahren höheren Komfort. Dadurch kann man auch länger im Sattel bleiben. Die Wahrscheinlichkeit eines Platten ist auch etwas geringer wodurch man im Zweifelsfall auch länger am Rollen bleibt.

-Das Cockpit sollte Wohnzimmer und Küche zugleich sein
Man sollte den Bereich seines Lenkers so einrichten, dass man sich wohlfühlt. Das bedeutet nicht nur eine bequeme Griffposition ermöglichen, sondern auch alles Nötige leicht erreichbar haben. Neben Offensichtlichem wie Bremse und Schaltung gilt das natürlich auch für die Navigation, egal ob Karte, GPS oder Handy. Aber es ist auch von Vorteil und ein nicht zu unterschätzender Sicherheitsaspekt, wenn das auch für die Lichtanlage gilt. In den Alpen war ich froh, dass ich bei diversen Tunneln, dunklen Baumalleen und stark befahrenen Straßen nur einen Knopfdruck am Lenker brauchte um Front- und Rückscheinwerfer anzuschalten. Eine kleine Tasche am Oberrohr erlaubte es mir eine Powerbank zu transportieren und so auch das Handy und mein GPS während der Fahrt zu laden ohne das ich sie dafür aus ihren Halterungen nehmen musste. Und neben den Wasserflaschen konnte ich auch diverse Sachen zum Essen problemlos im Fahren erreichen und musste nicht für jede Kleinigkeit immer stoppen.

-Egal was für ein Rad Du fährst, grüß andere Radfahrer!
Mir war es egal ob es Rennradler, Mountainbiker, Leute auf Stadträdern, Radreisende oder eBiker waren, ich habe zumindest freundlich genickt oder kurz mit der Hand gewunken. Mal ganz abgesehen davon, dass es meiner Meinung nach höflich ist und zum guten Ton gehört, haben sich dadurch dann oft genug nette Gespräche ergeben. Und mehr als einmal habe ich dadurch einen Begleiter gefunden mit dem man sich den Windschatten geteilt hat. Einmal sogar über 40km weit! Radfahren verbindet.

-man braucht kein Highend Fahrrad für eine Tour
Auch wenn ich unterwegs viele Rennradfahrer auf ihren Hochgeschwindigkeitsgeschossen aus Carbon getroffen habe, oder Reiseradler auf ihren Rädern mit Pinion-Getriebe und Carbonriemen-Antrieb, war ich mit meinem preislich günstigen Alurad mehr als zufrieden. Und ich hab auch andere Radler auf älteren, wild zusammengeschusterten Stahlrädern gesehen, die mit normalen Wanderrucksäcken auf dem Rücken unterwegs auf Tour waren. Am Ende zählt doch nicht das "wie weit" oder das "wie schnell" sondern nur ob man Freude an dem Erlebten hat.



Donnerstag, 30. August 2018

Road to Nizza

Am 19. August schloss ich die Haustür hinter mir ab, setzte mich auf mein Fahrrad und fuhr los. Mein Ziel: das Mittelmeer. Ob ich es erreichen würde lag für mich bis dahin noch völlig im Ungewissen. Dies war die bisher längste und anspruchvollste  Route die ich auf einem Fahrrad zurücklegen wollte. Die Strecke führte von Bonn durch die Eifel, Luxemburg, rüber nach Frankreich. Dann vorbei an Metz, Nancy, Besancon, rüber zur Schweiz entlang am Genfer See, durch Genf und wieder zurück nach Frankreich. Die Route führte an Annecy vorbei und durch die Alpen. Dabei ging es über so bekannte Pässe wie den Col du Telepgraph, Col du Galibier und nach Briancon über den Col de la Bonette durch die französischen Seealpen und runter ans Meer nach Nizza. 8 Tage später und nach 1162 km, 15863 Höhenmetern und 54 Stunden und 2 Minuten reiner Fahrzeit rollte ich in den Hafen von Nizza, meinem geplanten Ziel.

DIES IST KEIN REISEBERICHT

Denn dazu hätte das ganze eine Reise sein müssen. Ok, nach gängiger Definition würde auch diese Tour unter den Begriff "Reise" fallen. Jedoch fühlte ich mich auf meinem Rad stets wie zuhause und auch wenn ich die Nächte im Zelt verbrachte hatte das Ganze doch eher den Charakter einer längeren, sportiven Radausfahrt. Es würde sich irgendwie nicht richtig anfühlen jede Straßenkreuzung, die Schotterpassagen, Waldwege, die steilen und langen Pässe und die vielen kleinen Dörfer am Weg zu beschreiben. Denn es waren weniger die visuellen Eindrücke die davon in mir haften blieben als die Emotionen die ich dabei verspürte, wenn ich dort entlangfuhr.
Auf Twitter habe ich unter #roadtonizza (LINK zu Twitter) sozusagen live von der Tour berichtet. Und auf Strava findet man meine Streckenaufzeichnung:
Etappe 1
Etappe 2
Etappe 3
Etappe 4
Etappe 5
Etappe 6
Etappe 7
Etappe 8

Aber nichts davon kann das wirklich wiederspiegeln was diese Fahrt in mir angestoßen hat. Nach vielen Besuchen und Urlauben in Frankreich habe ich das Land und die Leute dort nochmal komplett anders kennengelernt. Als Radfahrer unterwegs in der Radsportnation Frankreich fährt man offene Türen ein.
Und ich habe mich nochmal neu kennengelernt.
Der Moment als ich nach wenigen Tagen schon die Schweizer Grenze passierte machte mir bewusst wie weit ich bereits gekommen war. Und als ich Nizza nach bereits so kurzer Zeit erreichte und die Tage Revue passieren ließ dämmerte mir langsam was ich da soeben geschafft hatte und was alles noch möglich wäre.
Und damit meine ich nicht 5 Grad kalte Pässe in kurzer Hose zu überqueren oder die Nächte nur in einer warmen Jacke statt einem richtigen Schlafsack zu verbringen. Auch meine ich damit nicht, auf die typische Kochausstattung zu verzichten und sich mit kalter Küche zu begnügen oder sogar die ersten 50km des Tages mit leerem Magen zu strampeln. Das für so eine Radtour nur eine Radhose reicht, haben auch schon andere vor mir festgestellt. Und das sich unterwegs (fast) alles irgendwie improvisieren oder organisieren lässt ist auch kein Geheimnis. Aber obwohl ich schon vor über 30 Jahren das Radfahren gelernt hatte und seitdem immer ein Fahrrad besessen habe, habe ich wohl erst mit dieser Tour seine Möglichkeiten wirklich begriffen:
Fahrräder sind gefährlich! Wenn Du Dich auf ein Fahrrad setzt könnte es Dich überall hinbringen.


Samstag, 28. Juli 2018

OMM Alps 2018 - Garmisch Partenkirchen

Am 21.Juli 2018 startete der zweite OMM Alps. Diesmal in Garmisch-Partenkirchen mit Blick auf die Zugspitze. Nachdem ich bereits im letzten Jahr beim ersten OMM Alps am Achensee (LINK zum Blogbeitrag) in Österreich erfolgreich mit dabei war, war der diesjährige OMM eines der Jahreshighlights auf das ich hinfieberte. Erst wenige Wochen vor dem Start fand ich in Flo, den ich bisher nur über Twitter kannte, meinen Teampartner für das Event.Und ich glaube so spontan wie die Aktion auch war hätte ich sonst kaum einen Besseren für den OMM finden können. Mal abgesehen davon dass er mit der Gegend gut vertraut war (ein nicht zu unterschätzender Bonus), wir lauftechnisch beide in der selben Liga spielen (Downhill-Schweine forever!!!) haben wir uns auch so gut ergänzt. Ich hoffe nur ich hab den Flo nicht zuviel vollgelabert...
Wer mehr oder weniger live bei unserem kleinen Abenteuer dabei sein möchte, sollte unbedingt mal Schnaufcast.de besuchen und sich den Podcast anhören den Flo und ich unterwegs aufgenommen haben. Bilder vom OMM Alps 2018 findet ihr auch auf der Seite vom Flo und auf der offiziellen OMM-Seite.


Ich werde daher jetzt hier auch keinen großen Rennbericht abliefern sondern versuche mal die Infos zusammenzuschreiben, die für jemanden der auch mal beim OMM mitmachen möchte eventuell von Nutzen sein könnten.

Der OMM
OMM steht für Original Mountain Marathon und ist mit 51 Jahren wohl das älteste Adventure-Race der Welt. Ursprünglich aus Großbritannien kommend, findet eine Sonderausgabe seit letztem Jahr nun auch im Alpenraum statt. Den OMM zu beschreiben ist etwas schwierig. Am ehesten würde „Mehrtägige Schitzeljagd für Erwachsene mit sportlichem Charakter und Übernachtung im Freien“ wohl ganz gut passen.
Der OMM ist eine Laufveranstaltung die als Etappenrennen über zwei Tage ausgetragen wird. Dabei wird der OMM als Selbstversorgerrennen ausgetragen. D.h. es gibt keine Verpflegungsstellen. Stattdessen muss man alles für die zwei Tage selber mitführen. Das umfasst sowohl die Verpflegung als auch Zelt, Schlafsack und Bekleidung. Zudem ist der OMM ein Orientierungslauf. Es gibt keine feste Strecke, sondern man orientiert sich ausschließlich mit Karte und Kompass entlang einzelner im Gelände platzierter Markierungsfähnchen. Das bedeutet auch, dass man streckenweise querfeldein unterwegs sein wird, da die Fähnchen nur selten unmittelbar an einem Weg liegen. Es reicht also nicht nur ein schneller Läufer zu sein, wie einige Teilnehmer des diesjährigen Events gemerkt haben. Eine clevere Routenwahl kann am Ende alles entscheiden. Im Gegensatz zu klassischen Rennen bei denen man sich streng an die vorgegebene Strecke hält ist hier das Team im Vorteil das die besten Abkürzungen findet.
Alle Teams übernachten an einem gemeinsamen Sammelplatz im eigenen Zelt (das jedes Team selber mitführen muss). Man könnte das Camp als weitere Herausforderung innerhalb des Rennens ansehen, verbringt man zwischen den beiden Etappen doch 12 Stunden und mehr hier. Wer also versucht bei der Ausrüstung Gewicht durch dünnere Kleidung, einen leichteren Schlafsack, ein mikrokleines Zelt oder zu wenig Essen einzusparen, sollte gut wissen was er da macht, sonst könnte er das spätestens hier bedauern. An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass es in den 51 Jahren des OMM noch kein Rennen ohne Regen gegeben hat.

Die Ausrüstung
Für den OMM ist eine recht umfangreiche Pflichtausrüstung vorgeschrieben. Natürlich kann und soll man versuchen die Ausrüstung und deren Gewicht auf ein Minimum zu begrenzen, allerdings sollte das nicht zugunsten der Funktionalität gehen. Auch wenn der OMM „nur“ über zwei Tage geht und eine einzige Übernachtung beinhaltet, können Wetter und Gelände das Material doch deutlich strapazieren. Auch wenn ich selber auf anderen Touren, die in der Regel deutlich länger sind als der OMM, mit weitaus leichterer und minimalistischer Ausrüstung erfolgreich unterwegs bin würde ich hier keine Experimente wagen wollen. Überlegt gut was ihr einpackt und macht euch mit eurer Ausrüstung vorher ausreichend vertraut.
Ein paar Beispiele:
-2017 hatte ich beim OMM ein leichtes Esbit-Kochset mit einer umfunktionierten Bierdose als Kochtopf dabei. Diese hatte ich jetzt schon viele Jahre in Benutzung und selbst bei mehrwöchigen Touren in alpinem Gelände nie Probleme gehabt. Beim OMM wurde die Dose (die „sicher“ verstaut in meinem Rucksack war) so stark eingedrückt, dass sie einen Riß in der Mitte bekommen hatte. Damit war das Kochset nahezu untauglich. Und bei Schnee und Dauerregen hätten wir uns über etwas Tee sehr gefreut.
-2017 war die Luftfeuchtigkeit im Camp in der Nacht so groß, dass mein Daunenquilt komplett kollabiert war. Zum Glück war in der Pflichtausrüstung ein Biwaksack ähnlich einer Rettungsdecke vorgeschrieben. Ich konnte dann darin die Nacht halbwegs warm verbringen.
-2018 stellte ich abends fest, dass eine meiner Softflask die ich in Taschen am Schultergurt trug ein Leck hatte. Offenbar hatte beim Querfeldeinlauf ein Ast ein kleines Loch in die Seitenwand gestochen. Zum Glück hatte ich noch zwei weitere Flaschen dabei.
-2018 traf ein Team kurz nach dem Cutoff im Camp ein. Beide waren deutlich erschöpft und durch den Regen teils unterkühlt. Ihr Zelt war brandneu und sie hatten es vorher noch nie aufgebaut. Jemand anderes baute dann ihr Zelt für sie auf, da sie nicht in der Lage waren das selber durchzuführen.

Im Folgenden liste ich mal die vorgeschriebene Pflichtausrüstung für den OMM auf und was wir an Ausrüstung dabei hatten.

Pflichtausstattung OMM
Unsere Ausrüstung
Anmerkungen
Waterproof jacket with hood and taped seams
OMM Kamleika Smock
Die Jacke sollte nicht zu empfindlich sein, da ihr Euch querfeldein bewegen werdet.
Waterproof long trousers with taped seams
Mammut Rainspeed HS Pants

Running clothes for the mountains
Funktions-T-Shirt, Laufshorts mit integrierter Lauftight, Truckerhat, kurze Funktionssocken, Armlinge 
Das sind die Sachen die man am Start trägt. Je nach Wetter und Vorliebe kurz oder lang.
Extra to the running clothes a long-sleeved thermal shirt and a long trousers (this may not be worn at the start)
langärmeliges Funktionsshirt, Inov8- Lauftight 
Die Sachen dienen nicht nur als evtl. Wechselkleidung für den nächsten Tag, sondern vor allem als trockene Schlafkleidung für die Nacht! 
Warm top, long sleeve
OMM Mountain Raid Hood Jacket
Warme gefütterte Jacke. besser Synthetik als Daune, da diese direkt über der nassen Kleidung getragen werden kann ohne ihre Isolation zu verlieren. 
Warm hat, gloves and socks
Mammut Eiger Beanie, OMM Fusion Gloves, Funktionssocken, 2 Plastikbeutel
Die Socken dienen ähnlich wie die lange Wechselkleidung auch als Schlafkleidung. Im Schlafsack kann sich die Haut der Füße grade bei feuchtem Wetter so besser erholen. Man kann überlegen ob man ein extra bequemes paar Schlafsocken (z.B. dicke Wollsocken) und ein paar frische Ersatzlaufsocken mitnimmt, oder es bei einem Paar Ersatzsocken für beides belässt. Die Plastikbeutel kann man abends über die trockenen Socken ziehen, wenn man noch mal seine nassen Schuhe anziehen muss.
Shoes suitable for mud, gravel and trail running
Inov8 Trailtalon 250
Wenn ihr überlegt, welche eurer Schuhe ihr nehmen sollt, nehmt die mit dem besten Grip!
Headlamp with minimum 12h battery power
Petzl e-Lite
Es ist grundsätzlich kein Nachtlauf. Es reicht eine leichte Lampe um evtl. in der Dämmerung das Zelt aufzubauen oder sich im Camp zurechtzufinden. Sie sollte jedoch ausreichend hell sein um zu navigieren, wenn man sich massiv verlaufen hat und es nicht rechtzeitig zum Camp schafft.
Signal whistle
Im Brustgurt vom Rucksack integriert
Man sollte das alpine Notsignal kennen
Compass
Silva Race Jet
Es muss kein spezieller Orientierungslaufkompass sein. Ein qualitativ hochwertiger Plattenkompass sollte es aber schon sein. (z.B. Silva 1S-360 Jet Compass) Unbedingt vorher üben, üben, üben!
Map (provided by the organiser)
OMM-Karte
Ein schönes Andenken!
Insulated sleeping system
OMM Mountain Raid PA 1.0 (ergibt mit der Mountain Raid Jacke einen Schlafsack)
Therm-a-Rest Prolite 3 short

Pen and paper, both must be water resistant
Bleistift (weich), wasserfester Notizblock
dient z.B. um die Nummern der Checkpoints zu notieren, wenn die  elektronische SI-Box defekt ist.
Bivouac sack / emergency bag – no blanket, it must be a closed sack
RAB Survival Zone
Für den Notfall reicht auch ein leichter, geschlossener Biwacksack in der Art einer Rettungsdecke (z.B. Mountain Equipment Ultralite Biwaksack). Ich habe den Biwaksack aber als Teil meines normalen Schlafsetups eingeplant und daher auf ein atmungsaktives Modell gesetzt.
Backpack, no hip bag
OMM Classic 32
Das Volumen ist für meine Ausrüstung eigentlich zu viel, aber durch die Rückenlänge sitzt er bei mir besser als kleinere Rucksäcke. 
Emergency rations
Clif Bar
Etwas Notfallverpflegung. Sollte nach dem Zieleinlauf übrig sein. (wenn es keinen Notfall gab)
Water carrying capacity
2 Salomon Softflask 0,5L
1 OMM Ultra Bottle 0,5L
Es gibt unterwegs keine VPs. Daher genug Wasserkapazität für mehrere Stunden einplanen und evtl. unterwegs an einem Bach auffüllen können.
Sleeping bag and spare warm kit must be waterproofed.
Müllsack
Reservekleidung und Schlafsack entweder einzeln in wasserdichten Packsäcken, oder den Rucksack (wie ich) mit einem robusten Müllsack auskleiden und darin alles wasserdicht verpacken.
Each team must always have the following equipment:
First aid pack – contents at competitors discretion
Im Ziplockbeutel: Mullbinde, Ducttape, Betaisodona, Victorinox Classic, Taschentücher 
Genau wie beim Compass solltet ihr euch vorher z.B. durch einen Kurs mit dem notwendigen Wissen vertraut machen.
Cooking equipment with stove and enough fuel for 2 days, with sufficient fuel left at the end of the race in case of emergencies.
Toaks 750ml Titanium Topf, MSR Pocket-Rocket, Gaskartusche, Faltbecher
Ich hab diesmal auf Gas statt auf Esbit gesetzt, da es mit nassen, kalten Fingern einfacher zu bedienen ist und es deutlich die Kochzeiten reduziert. Wir hatten jeder 3 warme Mahlzeiten plus 5 mal Heißgetränke. D.h. wir haben insgesamt rund 6 Liter Wasser erhitzt.
Der Faltbecher ist purer Luxus ;-)
Tent with sewn in ground sheet
GoLite ShangriLa 2, Zeltboden, Black Diamont Ultra Distance Z Poles,
Es gibt deutlich leichtere  Zelte, z.B. von Terra Nova, Nordisk. Mountain Laurel Design, etc.
Aber man nimmt erstmal was man zu hause hat.
Die Stöcke wurden nur zum Aufbau des Zeltes genutzt. Beim Laufen hat man eh die meiste Zeit Karte und Kompass in der Hand. 
Food for 2 people for 2 days
Jeder von uns hatte:
1 mal Fertiggericht von Adventure Food, 1 mal Porridge, 7 mal Riegel (Clifbar, Seitenbacher), 1 mal Schokoriegel, 1 Tüte Nüsse, 1 veganen Wurstsnack (Spacebar), Instantkaffee, Teebeutel, 1 „one glass“ Wein,  
Wir hätten uns mehr von den herzhaften Würsten und ein paar mehr Nüsse gewünscht. Ein paar Brausetabletten (Isodrink) wären schön gewesen. Der Wein war übertriebener Luxus. Warum gibt’s davon eigentlich kein Hefeweizen???

Wenn ihr noch Fragen habt oder Tips für den OMM sucht könnt ihr mir gerne eine Mail zukommen lassen oder mir bei Twitter (@beuteltiere) schreiben.